Zum Advent – eine Lebensbetrachtung aus der Sicht eines Hirten
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 09. Dezember 2009 um 14:59 Uhr Geschrieben von: Agnes Beckmann
„Wiederholt hat man uns des Diebstahls beschuldigt. Sie haben den vermeintlichen Gegenwert, drei Schafe, gleich mitgenommen. Zu Unrecht! Aber, wen interessiert das schon? In der letzten Woche zwangen sie uns, zehn erkrankte Tiere zu schlachten, weil die Menschen in der Stadt sich vor Ansteckung fürchteten. Bisher galt diese Krankheit als harmlos und hat sich noch nie auf Menschen übertragen. Und dann ist da dieser hartnäckige Husten. Die Kinder leiden am meisten darunter. Es gibt Heilmittel dagegen, aber für uns einfache Hirten, sind sie unbezahlbar!“
So war es schon immer! Es muss anders werden – besser! Es müsste sich etwas verändern!
Wenn man der heiligen Schrift glauben darf, so wird sich etwas verändern! „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.“ (Jesaja 9) Aber wann? Wie lange müssen wir noch warten? Wird es je einen Retter geben?„Oh komm, oh komm, Emmanuel – mach frei dein armes Israel!“
Und dann, war sie plötzlich da – diese Heilige Nacht! Einzig in ihrer Art. Heil bringend – heilsam.
Was war so anders in dieser Nacht? Die Sehnsucht in mir war stärker als sonst. Das ließ mich aufblicken zu den Sternen. Sie funkelten in einer Klarheit, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte. Eine neue Hoffnung kam auf – zunächst zaghaft, aber sie war plötzlich da. Alles war stimmig! So ruhig, so friedlich! Es war so, als hörte ich Gesang – oder war die Melodie in mir? Was war es, das mich aufhorchen ließ? Ich konnte nicht anders. Ich musste aufbrechen gemeinsam mit den Anderen.
Nur ein neugeborenes Kind, in einem Stall? Nicht „Nur“ sondern „Ja“
Neues Leben, hier bei uns? Wäre es woanders nicht besser dran gewesen? Dieses Kind – es wollte leben – es verlangte, dass wir uns darum kümmern. Es schrie seine Hoffnung hinaus. Da war kein Raum mehr für Verzweifelung und Resignation. Jetzt hieß es: zupacken! Damit das Leben – leben kann!
Alles Leben kommt von Gott. Gottes Liebe wird sichtbar in einem Kind.
Ein wohlig warmes Gefühl breitete sich in mir aus. War es ein Traum oder der Beginn einer neuen Wirklichkeit? Mir war, als hätte Gott mich selbst gestreichelt.
Als ich nach Hause kam, hatte sich scheinbar nichts verändert. Wir wurden weiterhin bestohlen und die Kinder husteten noch immer. Und doch war da etwas in mir, was gestern nicht da war: ein gutes Gefühl? Nein, es war mehr! Eine Gewissheit! Er ist da - sichtbar – als Kind in einem Stall! Er ist da - nicht sichtbar – aber durchaus spürbar – in mir – in Dir!
Vertrau auch Du Deiner Intuition, Deiner inneren Stimme, Deiner Sehnsucht – und Du wirst das Kind finden – es ist ganz nah – in „Deinem Stall von Bethlehem“.
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