Humor ist, wenn man trotzdem lacht – Karneval 2011
Geschrieben von: Alfred Schepers
Ein Mensch, der schon als kleiner Christ
weiß, wozu er geschaffen ist:
“Um Gott zu dienen hier auf Erden
und ewig selig einst zu werden!“ -
vergisst nach manchem lieben Jahr
dies Ziel, das doch so einfach war,
das heißt, das einfach nur geschienen:
denn es ist schwierig, Gott zu dienen.
Ach übrigens: das war zitiert
von Eugen Roth ganz ungeniert.
Ich sag’s euch lieber gleich vorweg –
sonst ist mein Pfarrertitel weg.
Zurück zur Botschaft im Gedicht:
Wie schwierig ist die alte Pflicht,
auf Gott zu hören brav und fromm,
egal, was immer dann auch komm.
Was ist, wenn dich der Zweifel nagt:
Ja stimmt das wirklich, was der sagt?
Steht wirklich fest das Haus der Guten?
Sinkt das der Bösen in die Fluten?
Lebt da nicht mancher Schweinehund
stinkreich und propper und gesund,
wobei so mancher brave Christ
ganz unten angekommen ist?
Gebt’s zu: da braucht’s schon starke Werte,
um treu zu bleiben auf der Fährte,
die Gott uns da so vorgelegt.
Mich jedenfalls hat dies bewegt.
fortwährend unter Aufsicht stehn.
Erlaubt mir noch mal ein Zitat
von Eugen Roth, so ganz probat:
Ein Mensch, der recht sich überlegt,
dass Gott ihn anschaut unentwegt,
fühlt mit der Zeit in Herz und Magen
ein ausgesprochnes Unbehagen
und bittet schließlich ihn voll Grauen,
nur fünf Minuten wegzuschauen.
Er wolle unbewacht, allein,
inzwischen brav und artig sein.
Doch Gott, davon nicht überzeugt,
ihn ewig unbeirrt beäugt.
Okay, der Rheinländer auf seine Art,
wird bestens fertig mit diesem Part.
Auch die Römer sind hier ganz flexibel
mit der Strenge Gottes in der Bibel.
Die geben sich selber noch strenger als streng
und uns wird der Hals schon zum Luftholen eng.
Doch so hoch hängt die Latte der Kirchenmann,
damit er bequem drunter herschlüpfen kann!
So kommt’s, dass des Mixa’s Moralpredigt schallt,
während heimlich er andern ne Ohrfeige knallt,
und Meisner zum Dogma den Zölibat stilisiert,
doch den Familienvater zum Priester dekoriert.
Zitat: Ein Mensch, der spürt, wenn auch verschwommen,
er müsste sich, genau genommen,
im Grunde seines Herzens schämen,
zieht vor, es nicht genau zu nehmen.
Ihr merkt: dies ist kein feiner Stil,
doch leider gibt’s ihn viel zu viel.
Ich schlag euch etwas anderes vor:
Das Schlüsselwort heißt schlicht: HUMOR.
Ein großes Vorbild dieser Tugend
erlebte ich in meiner Jugend.
Ihr glaubt es kaum in diesem Dom:
mein Vorbild war ein Papst in Rom!
1958 schritt der Vatikan zur Wahl.
Mit dabei so ein kugelrunder, dicker Kardinal.
In Höhe und Breite und Bauch war er gleich groß,
doch sein Charakter, der war ganz famos.
Kurzum, wie’s kommen musste, kam es auch:
die Welt sah staunend einen Papst mit Bauch.
Die weiße Soutane zu eng, alles tat ihn zwicken,
und zum Segen tat man ihn mit Sicherheitsnadeln spicken.
„Ich komme mir vor wie ein Paket, zum Versand bereit,“
so sprach Papst Johannes und lachte breit.
Die Welt sah einen Papst, der über sich lachen mochte
und nicht auf irgendwelche „Hochwürden“ pochte.
Sein Humor hat ihm und der Kirche viel Sympathie gebracht
und hat ihm das Leben auch leichter gemacht.
Als er sich fragte: „Mach ich wohl alles richtig?“
sprach Gott: „Johannes, nimm dich nicht so wichtig!“
Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Ein andrer Johannes zeigt uns, wie man’s macht.
Johannes Bosco rief es durch die Gassen:
„Gutes tun, fröhlich sein, und die Spatzen pfeifen lassen.“
Er hilft uns gegen das Gespött der Masse.
Er hilft auch gegen Angst vor der Macht,
über welche der, der in den Himmeln thront, nur lacht.
Bedenkt doch den Satz aus der Lesung heute:
Gerecht gemacht aus Glauben, liebe Leute!
Das war Luthers Anfang der Reformation
und Rom briet ihn geistig auf dem Scheiterhaufen schon.
Doch vierhundert Jahre nach der Spaltung,
da hatte auch Rom eine andere Haltung
und sprach: Martin Luther, der hatte ja Recht.
Im Grund war der Kerl dann doch gar nicht so schlecht.
Da seht ihr: es geht doch, man muss es nur wollen.
Und jenen, die heute in Rom so sehr schmollen,
was wir an der Basis uns vorstellen können,
denen sollten wir nur ein paar hundert Jahre gönnen.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht,
auch wenn das Leben nicht nur Freude macht.
Doch gilt es, den Geist des Humors zu scheiden
von Sarkasmus und Galgenhumor und von Schadenfreuden.
Am Schaden von andern noch Spaß zu haben,
an Krieg, Katastrophen, Gewalt sich zu laben,
ob in echt oder in Computerprogrammen,
ist teuflischer Herkunft und schier zu verdammen.
Ganz anders hingegen ist jener Humor,
der trotz allen Leids sich doch wagt hervor,
der trotz aller Bedrohung schlicht darauf vertraut:
Wer auf Gott baut, der hat nicht auf Sand gebaut.
und immer in jeglicher Widerwärtigkeit
mit den Psalmen beten: Was tobet alle böse Macht,
wo doch er, der in den Himmeln thront, lacht!
Bleib treu und redlich auf der Spur,
lass dich nicht irre machen, vertraue nur
und sei barmherzig zu dir und allen andern -
dann kannst du ganz schlicht unter Gottes Segen wandern.
Ein letztes Zitat:
Ein Mensch von gründlicher Natur
macht bei sich selber Inventur.
Wie manches von den Idealen,
die er einst teuer musste zahlen,
gibt er, wenn auch nur widerwillig,
weit unter Einkaufspreis, spottbillig.
Auf einen Wust von holden Träumen
schreibt er entschlossen jetzt: „Wir räumen!“
Und viele höchste Lebensgüter
sind nur mehr alte Ladenhüter.
Doch ganz vergessen unterm Staube
ist noch ein Restchen alter Glaube,
verschollen im Geschäftsbetriebe
Hielt sich auch noch ein Quäntchen Liebe,
und unter wüstem Kram verschloffen
entdeckt er noch ein Stückchen Hoffen.
Der Mensch, verschmerzend seine Pleite,
bringt die drei Dinge still beiseite
und lebt ganz glücklich bis zur Frist,
wenn er noch nicht gestorben ist.
die voll von tiefstem Vertrauen erglühen.
Diesen Glaubenshumor können wir täglich erleben:
Das sei nun mein Rat, meine lieben Leute:
Lacht über die Großen und euch selbst – nicht nur heute.
Lasst die Spatzen pfeifen und baut auf Gottes Namen!
Solcher Humor hilft uns leben – darauf geb’ ich mein AMEN!
Meinolf Winzeler


