Exerzitien: Ich suche Dich (Gott) in tausend Bildern
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. August 2011 um 18:59 Uhr Geschrieben von: Agnes Beckmann
Bericht über die CG Exerzitien vom 7.-10. Juli 2011 im Gertrudenstift in Rheine Bentlage, mit Pfarrer Herbert Roth / Marl
10 Teilnehmer; plus Referent
Zum Referenten: Herbert Roth ist Pfarrer in Marl (Pfarrei ?) und gleichzeitig Supervisor und aktiv in der Telefonseelsorge tätig. Es ist ihm ein Anliegen, seine eigenen Glaubenserfahrungen weiterzugeben. Dazu wandte er eine Methodenvielfalt an, die uns sehr zu Gute kam.
So waren diese Exerzitien wieder einmal sehr kompakt und intensiv aber dennoch so ganz anders.
Thema: Ich suche Dich (Gott) in tausend Bildern
Nach einer ersten Vorstellrunde wurden wir gleich mit unserer Kreativität konfrontiert. Jeder bekam einen überdimensionalen Zeichenblock DIN A 2 auf die Knie gelegt, dazu eine Packung Filzstifte. „Einfach drauf los malen..!“ so lautete der Arbeitsauftrag, möglichst zügig, ohne längere Überlegungen – schweigend; zu meditativer Musik. Nach einer festgelegten Zeit, gab jeder seinen Block an den rechten Nachbarn weiter, erhielt den vom linken Nebenmann und malte weiter usw. So entstanden sehr kreative, ganz unterschiedliche Bilder. Diese wurden dann vom Eigentümer jeweils mit einem Titel versehen und individuell gedeutet.
Mit dieser Übung wurde uns allen deutlich, dass jeder Mensch seine eigene Wahrnehmung hat.
In einem sachlich, theoretischen Teil vermittelte uns Herr Roth sehr beeindruckend, dass unser Gehirn nur einen Bruchteil von dem aufnimmt, was unser Auge sieht. So ist es zu erklären, dass jedes Bild seinem Betrachter quasi „entgegen“ kommt, gemäß seiner individuellen Situation. Und Gott kommt jedem Menschen so entgegen, dass er Ihn jeweils in seiner individuellen Situation, entdecken, finden, verstehen usw. kann.
Eine andere Übung bestand aus einem selbst gewählten Naturgegenstand (Blatt, Zweig, Holz). In Einzelarbeit wurden wir aufgefordert, genau zu betrachten und zu zeichnen. Danach sollten wir Erinnerungen wach rufen, die dieses Teil in uns auslöst, an Bildern, Ereignissen, Worten usw. Einige von uns schafften es sogar, daraufhin eine kleine Geschichte zu schreiben. Wieder ging es darum, zu schauen und zu entdecken, was mir „entgegenkommt“.
Zitat v. Picasso: „Ich suche nicht, ich finde.“
Bei dieser Übung ging es noch um einen weiteren sehr wesentlichen Aspekt: Um den „des sich selbst Verlierens“. Jeder war so sehr in seine Entdeckungen und Erinnerungen eingetaucht, dass er nicht mehr darauf geachtet hat, was in seinem Umfeld geschah. Ganz wachsam sein, ganz im Hier und Jetzt – das ist Achtsamkeit - und aus dieser Achtsamkeit wurde Hingabe. Sich ganz auf Gott einlassen – ganz wach sein – im Hier und Jetzt – das ist Achtsamkeit – Kontemplation. Diese Spiritualität ist individuell nicht verwertbar, nicht messbar: Kontemplation ist zweckfreie Zeit vor Gott!
Wenn es um unseren Glauben geht, um Gott, dann brauchen wir Bilder. Gott lässt sich nicht beschreiben, dennoch haben wir Kontakt zu Ihm. Um in weitern Bildern Gott zu entdecken, besuchten wir eine Kunstausstellung im Kloster Bentlage.
Paulus beschreibt: „In Jesus Christus das Bild des unsichtbaren Gottes“
In einem praktischen Rollenspiel haben wir die Gerichtsverhandlung Jesu neu aufgerollt und durchgespielt. Als Zeugen wurden gehört: ein Schriftgelehrter, ein Pharisäer, eine Zeugin der Auferstehung, die Frau v. Jakobsbrunnen, zwei Zöllner, sowie Josef und Maria.
Am Ende kamen die Richter zu dem Urteil: „Die Verurteilung zum Tode Jesu war nicht gerechtfertigt!“
Am letzten Abend wurde das „Gelernte bzw. wieder neu Entdeckte“ in einer stillen Anbetungsstunde angewandt: Sich ganz auf Gott einlassen, in Schweigen und Stille, ohne jede Absicht.
Am Sonntagmorgen beendeten wir diese Exerzitien mit einem gemeinsam vorbereiteten Gottesdienst.
In der abschließenden Reflexionsrunde kam noch einmal zur Sprache, was so gut und anders war als bei anderen Exerzitien. Hier eine hoffentlich wertfreie Auflistung:
- eine abwechslungsreiche Methodenvielfalt, sich an Neues herangewagt, sich auf Fremdes eingelassen (Kunst),
- kein Schweigen, kein Zwang zu Beichtgespräch und Mittags- und Nachtanbetung,
- individuelle Erkenntnisse auf ungewöhnliche Weis gewonnen (z.B. abgestorbenes Holz betrachtet)
Auf den Punkt gebracht lässt sich sagen: Wir haben brauchbares Rüstzeug für unseren Alltag erworben, bzw. geschenkt bekommen. Hoffen wir, dass wir auch wach und achtsam sind, wenn uns Gott, in dem einen oder anderen neu entdeckten Bild, entgegenkommt.
Agnes Beckmann


