Boker Tov
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 21. November 2011 um 22:05 Uhr Geschrieben von: Dietmar Kleinwächter
Unsere Reise nach Israel, ein Spagat zwischen Pilger und Tourist.Eine Zeitreise: 33Jahre in 12 Tagen und ganz nebenbei noch viel mehr Geschichte und Politik.
Gott sei Dank waren wir als eine bestehende Gemeinschaft, die sich untereinander teilweise sehr gut kannte, unterwegs. So brauchten wir uns über die Zielvorstellung unserer Reise keine Gedanken machen. Jesu Spuren suchen und sie weiterführen. Mit dem Engagement der Gruppe und Gottes guter Fügung auf der Suche nach ruhigen, besonderen Orten für unsere Gottesdienste und Eucharistie feiern haben wir fast jeden Tag einen Platz gefunden, um unseren Glauben ins Zentrum zu rücken.
Bei der Fülle der Orte, an denen Jesus gewesen ist, ein teilweise schwieriges Unterfangen. Welches Geschenk unsere Glaubensinseln waren, konnten wir nach dem Abschlussgottesdienst gut nachvollziehen.
Der Tourist in uns wurde von der Fülle der Kirchen, die über den Plätzen, an denen Jesu gelebt und gewirkt haben soll, fast erschlagen. Wie oft wann welche Kirche zerstört wurde und Barluzzi der Architekt neuester Zeit ist, ist für uns eher eine Randerscheinung.
Jede Stelle wurde verbaut und verklärt. Man kann es auch auf die 3K`s reduzieren: Kirche, Kiosk ,Klo. Freie Plätze in Jerusalem zu finden, wo wir nachspüren konnten, das fehlte.
Schön war es zu sehen, wie eng 3 Religionen nebeneinander/ miteinander existieren können.
Das nahm manchmal etwas kuriose Formen an: Kaum war das Abendgebet der Franziskaner in der Grabeskirche beendet, wurden alle sichtbaren Spuren beseitigt und die eigenen Kerzen standen wieder auf ihrem Platz.
Das Judentum ist uns in besonderer Weise näher gekommen. Der Fokus, Jesus war auch Jude; wurde damit sehr deutlich.
Am sichtbarsten wurde dies in unserem glatt kosheren Hotel am See Gennezareth.
Den Glauben schon äußerlich gut sichtbar an der Kleidung zu erkennen und das in so großer Anzahl in einem Hotel, war schon sehr ungewöhnlich. Dazu eine getrennt milchige und fleischige Küche. Abends gab es keinen Kuchen mit Sahne! Und der Shabbat war eine besondere Erfahrung. Da durfte der Aufzug nicht mehr „fahren“, Geld wurde nicht in die Hand genommen und dementsprechend konnten keine Hotelrechnungen bezahlt werden; in heutiger Zeit ein eher befremdlicher Ausdruck des Glaubens. Sogar die Klimaanlage ließ sich nicht mehr bedienen. Die vielen Familien mit ihren oftmals noch sehr kleinen Kindern hatten sich festlich gekleidet, man nahm sich Zeit, auf den Tischen lagen weiße Decken und standen brennende Kerzen fürs Festmahl. Natürlich hing an jeder Zimmertür eine Mesusa. Von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang herrschte eine einzigartige Stimmung. Wir genossen dieses Geschenk des dabei sein und auch wir wurden an diesem Shabat festlich bedient. So konnten wir auch mal gemeinsam essen.
Die übrigen Tage gab es ein sehr reichhaltiges und üppiges Büfett. Das hieß, irgendwer stand immer auf und des Öfteren musste man sich auch durchsetzten. Eine gewisse Eile und Hektik herrschte unter den Hotelgästen.
Das Gefühl, ständig in Eile zu sein, umgab uns oft. Schnell noch eine Postkarte kaufen, alle zusammen zum Kaffee out (Toilettengang); das nächste Highlight wartet schon. Wir erfanden eine neue Einheit für Entfernung und Zeit: 1 Elsa.
Zeiten zum gemeinsamen Reflektieren waren nicht eingeplant.
Wohltuend war es, den Abend bei einem Glas Wein, Bier oder ähnlichem ausklingen zu lassen. Am See Gennesaret war es draußen sogar wärmer als im Hotel Kinar. Die Klimaanlage ließ grüßen.
Unsere Assoziation Wärme und Dunkelheit geriet ein bisschen aus den Fugen.
Wasseruhren und elektrische Anlagen waren draußen ungeschützt zu sehen.
Zisternen auf dem Dach als moderne, solarbetriebene Warmwasseranlage?
Tagsüber herrschten sommerliche Temperaturen und um 17.30h war es innerhalb kürzester Zeit stockdunkel. Und irgendwie wurde man mehr oder weniger jeden Tag aufs Neue überrascht.
Die Basare in Jerusalem schließen gegen 18.ooh.
Wir entdecken die Köstlichkeit von heimischen Weinen aus dem Golan; Yarden (der mit der Öllampe) und Barkan stehen sogar im großen Johnson Weinlexikon. L‘cheim.
Im Kibbuzhotel Ramot Rachel in Jerusalem hatten wir am letzten Abend von der Bar aus Blick auf die vielen Regentropfen, die sich am Fenster und auf dem Terrassenboden spiegelten. Der 1. Regenschauer während unserer Reise.
Auch sonst hätten wir wohl kaum draußen gesessen. Jerusalem liegt auf ca 800m und abends wurde es frisch.
Mit welcher Leichtigkeit wir diese Höhenunterschiede überwunden haben, wurde uns kaum bewusst. Von –400m am Toten Meer, –200m am See Gennesaret bis nach Jerusalem. Jesus musste mit seinen Jüngern diese Entfernungen und Höhenunterschiede mühsam erlaufen. Mit welchem Schuhwerk war er wohl unterwegs? Uns hungerte es nach Bewegung und so war es eine spirituelle Erfahrung, das Taubental und Massada zu erwandern.
Zu Jesu Zeiten gab es keine Busfahrer, der einen mit reichlich köstlichem Wasser versorgte.
Oder der in der kargen Landschaft der Drusendörfer, in der es kalt und windig war, eine Lokalität findet mit leckerem Essen, handgeschnitzten Pommes und viel zu viel.
Ein Lokal, in dem wir als Einzelreisende wohl kaum eingekehrt wären.
Dafür „fehlt Jesu die Erfahrung, in halsbrecherischer Weise mit dem Taxi auf einer engen Straße den Berg Tabor hinauf befördert zu werden.
Ein etwas verklärtes Bild von jener Zeit wird gerade gerückt.
Man würde wohl kaum den Weg Marias nach Bethlehem als Schwangerschaftsgymnastik bezeichnen oder Babymassage in Form einer Strohkrippe definieren.
Dabei war heilige Kleidung ein fester Bestandteil unserer Reise.
In Nazareth galt diese Vorschrift überraschender Weise nicht nur in der Kirche, sondern auch auf dem Vorplatz. Das diese heilige Ordnung sogar mit Trillerpfeifen durchgesetzt wurde, wirkte sehr erschreckend. Was hätte Jesus wohl dazu gesagt?
Israel wird auch als heiliges Land übersetzt.
Ein Land, indem das Militär in vielfältigster Form präsent ist.
Eine Mauer, die wir aus eigener Geschichte kennen.
Unterschiedliche politische Darstellungen und Sichtweisen.
Ein heiliges Land, in dem es nicht nur Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern gibt, sondern auch zwischen uns als Gruppe und im Kontext zu anderen Touristen..
Ein heiliges Land, das in keinster Weise als heiles Land zu bezeichnen ist, ebensowenig wie die heilige Familie.
Ein Land, in das wir reisen konnten. Mit der uns eigenen Geschichte.
Mit Anna, unserer Fachfrau der Holocaust Gedenkstätte, durch Yad Vashem zu gehen, war etwas Besonderes. Auch für unsere Kinder.
Annas Buchhinweis: Ganz normale Männer von Christopher R. Browning haben wir gleich in die Tat umgesetzt.
Und das wir Ellis kennengelernt haben, lässt sich nicht in Worte fassen.
Eine Persönlichkeit, die sich scherzhaft als verkappte und zu spät berufene Mirelle Matthieu oder war es Marilyn Monroe bezeichnet, die aufgrund ihrer biologischen Abstammung als junges Mädchen den Tod jeden Tag vor Augen hatte, die in ihren Verstecken abhängig war von anderen, die nicht lernen durfte, zu streiten. Und diese Frau strahlt mit ihren 88 Jahren soviel Freude, Mut und Zuversicht aus; unfassbar.
Mögen wir diese Freude und die vielen Erlebnisse in diesem Land speichern wie Frederik, die Maus. Diese Sonnenstrahlen sollen leuchten in unseren Häusern, Schulen, Werkstätten, Büros und in unseren Kirchen.
Du stehst am Ufer.
Shalom
Der Tourist in uns wurde von der Fülle der Kirchen, die über den Plätzen, an denen Jesu gelebt und gewirkt haben soll, fast erschlagen. Wie oft wann welche Kirche zerstört wurde und Barluzzi der Architekt neuester Zeit ist, ist für uns eher eine Randerscheinung.
Jede Stelle wurde verbaut und verklärt. Man kann es auch auf die 3K`s reduzieren: Kirche, Kiosk ,Klo. Freie Plätze in Jerusalem zu finden, wo wir nachspüren konnten, das fehlte.
Schön war es zu sehen, wie eng 3 Religionen nebeneinander/ miteinander existieren können.
Das nahm manchmal etwas kuriose Formen an: Kaum war das Abendgebet der Franziskaner in der Grabeskirche beendet, wurden alle sichtbaren Spuren beseitigt und die eigenen Kerzen standen wieder auf ihrem Platz.
Das Judentum ist uns in besonderer Weise näher gekommen. Der Fokus, Jesus war auch Jude; wurde damit sehr deutlich.
Am sichtbarsten wurde dies in unserem glatt kosheren Hotel am See Gennezareth.
Den Glauben schon äußerlich gut sichtbar an der Kleidung zu erkennen und das in so großer Anzahl in einem Hotel, war schon sehr ungewöhnlich. Dazu eine getrennt milchige und fleischige Küche. Abends gab es keinen Kuchen mit Sahne! Und der Shabbat war eine besondere Erfahrung. Da durfte der Aufzug nicht mehr „fahren“, Geld wurde nicht in die Hand genommen und dementsprechend konnten keine Hotelrechnungen bezahlt werden; in heutiger Zeit ein eher befremdlicher Ausdruck des Glaubens. Sogar die Klimaanlage ließ sich nicht mehr bedienen. Die vielen Familien mit ihren oftmals noch sehr kleinen Kindern hatten sich festlich gekleidet, man nahm sich Zeit, auf den Tischen lagen weiße Decken und standen brennende Kerzen fürs Festmahl. Natürlich hing an jeder Zimmertür eine Mesusa. Von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang herrschte eine einzigartige Stimmung. Wir genossen dieses Geschenk des dabei sein und auch wir wurden an diesem Shabat festlich bedient. So konnten wir auch mal gemeinsam essen.
Die übrigen Tage gab es ein sehr reichhaltiges und üppiges Büfett. Das hieß, irgendwer stand immer auf und des Öfteren musste man sich auch durchsetzten. Eine gewisse Eile und Hektik herrschte unter den Hotelgästen.
Das Gefühl, ständig in Eile zu sein, umgab uns oft. Schnell noch eine Postkarte kaufen, alle zusammen zum Kaffee out (Toilettengang); das nächste Highlight wartet schon. Wir erfanden eine neue Einheit für Entfernung und Zeit: 1 Elsa.
Zeiten zum gemeinsamen Reflektieren waren nicht eingeplant.
Wohltuend war es, den Abend bei einem Glas Wein, Bier oder ähnlichem ausklingen zu lassen. Am See Gennesaret war es draußen sogar wärmer als im Hotel Kinar. Die Klimaanlage ließ grüßen.
Unsere Assoziation Wärme und Dunkelheit geriet ein bisschen aus den Fugen.
Wasseruhren und elektrische Anlagen waren draußen ungeschützt zu sehen.
Zisternen auf dem Dach als moderne, solarbetriebene Warmwasseranlage?
Tagsüber herrschten sommerliche Temperaturen und um 17.30h war es innerhalb kürzester Zeit stockdunkel. Und irgendwie wurde man mehr oder weniger jeden Tag aufs Neue überrascht.
Die Basare in Jerusalem schließen gegen 18.ooh.
Wir entdecken die Köstlichkeit von heimischen Weinen aus dem Golan; Yarden (der mit der Öllampe) und Barkan stehen sogar im großen Johnson Weinlexikon. L‘cheim.
Im Kibbuzhotel Ramot Rachel in Jerusalem hatten wir am letzten Abend von der Bar aus Blick auf die vielen Regentropfen, die sich am Fenster und auf dem Terrassenboden spiegelten. Der 1. Regenschauer während unserer Reise.
Auch sonst hätten wir wohl kaum draußen gesessen. Jerusalem liegt auf ca 800m und abends wurde es frisch.
Mit welcher Leichtigkeit wir diese Höhenunterschiede überwunden haben, wurde uns kaum bewusst. Von –400m am Toten Meer, –200m am See Gennesaret bis nach Jerusalem. Jesus musste mit seinen Jüngern diese Entfernungen und Höhenunterschiede mühsam erlaufen. Mit welchem Schuhwerk war er wohl unterwegs? Uns hungerte es nach Bewegung und so war es eine spirituelle Erfahrung, das Taubental und Massada zu erwandern.
Zu Jesu Zeiten gab es keine Busfahrer, der einen mit reichlich köstlichem Wasser versorgte.
Oder der in der kargen Landschaft der Drusendörfer, in der es kalt und windig war, eine Lokalität findet mit leckerem Essen, handgeschnitzten Pommes und viel zu viel.
Ein Lokal, in dem wir als Einzelreisende wohl kaum eingekehrt wären.
Dafür „fehlt Jesu die Erfahrung, in halsbrecherischer Weise mit dem Taxi auf einer engen Straße den Berg Tabor hinauf befördert zu werden.
Ein etwas verklärtes Bild von jener Zeit wird gerade gerückt.
Man würde wohl kaum den Weg Marias nach Bethlehem als Schwangerschaftsgymnastik bezeichnen oder Babymassage in Form einer Strohkrippe definieren.
Dabei war heilige Kleidung ein fester Bestandteil unserer Reise.
In Nazareth galt diese Vorschrift überraschender Weise nicht nur in der Kirche, sondern auch auf dem Vorplatz. Das diese heilige Ordnung sogar mit Trillerpfeifen durchgesetzt wurde, wirkte sehr erschreckend. Was hätte Jesus wohl dazu gesagt?
Israel wird auch als heiliges Land übersetzt.
Ein Land, indem das Militär in vielfältigster Form präsent ist.
Eine Mauer, die wir aus eigener Geschichte kennen.
Unterschiedliche politische Darstellungen und Sichtweisen.
Ein heiliges Land, in dem es nicht nur Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern gibt, sondern auch zwischen uns als Gruppe und im Kontext zu anderen Touristen..
Ein heiliges Land, das in keinster Weise als heiles Land zu bezeichnen ist, ebensowenig wie die heilige Familie.
Ein Land, in das wir reisen konnten. Mit der uns eigenen Geschichte.
Mit Anna, unserer Fachfrau der Holocaust Gedenkstätte, durch Yad Vashem zu gehen, war etwas Besonderes. Auch für unsere Kinder.
Annas Buchhinweis: Ganz normale Männer von Christopher R. Browning haben wir gleich in die Tat umgesetzt.
Und das wir Ellis kennengelernt haben, lässt sich nicht in Worte fassen.
Eine Persönlichkeit, die sich scherzhaft als verkappte und zu spät berufene Mirelle Matthieu oder war es Marilyn Monroe bezeichnet, die aufgrund ihrer biologischen Abstammung als junges Mädchen den Tod jeden Tag vor Augen hatte, die in ihren Verstecken abhängig war von anderen, die nicht lernen durfte, zu streiten. Und diese Frau strahlt mit ihren 88 Jahren soviel Freude, Mut und Zuversicht aus; unfassbar.
Mögen wir diese Freude und die vielen Erlebnisse in diesem Land speichern wie Frederik, die Maus. Diese Sonnenstrahlen sollen leuchten in unseren Häusern, Schulen, Werkstätten, Büros und in unseren Kirchen.
Du stehst am Ufer.
Shalom


